| |
S T U D I U M
Studienkredite – Chancen und Risiken
Die wenigsten Studierenden schwimmen im Geld. Sei es, weil sie kein BAföG erhalten, sei es, weil ihre Eltern nicht für die Finanzierung ihres Studiums aufkommen können oder wollen. Seit in einigen Bundesländern Studiengebühren eingeführt wurden, hat sich die Lage nochmals verschärft. Etwa zwei Drittel aller Studis im Erststudium arbeiten deshalb nebenher – was das Studium wiederum in die Länge zieht. Dieses Dilemma haben mittlerweile viele Kreditinstitute erkannt und bieten Studierenden günstige Kredite zu niedrigen Zinssätzen an. Doch was sich auf den ersten Blick nach einer tollen Geldquelle anhört, birgt auch einige Risiken.
|
|
|
|
 |
|
 |
 |
Studienkredite (auch Studiendarlehen genannt) werden von Banken und Sparkassen ausschließlich für Studierende angeboten. Konkret bedeutet das, dass Sie sich während des Studiums von einem Kreditinstitut eine bestimmte Summe leihen und diese nach dem Studium inklusive Zinsen zurückzahlen. Im Gegensatz zu normalen Krediten, wie sie beispielsweise für den Kauf eines Hauses gewährt werden, sind die Zinssätze relativ niedrig und das Geld wird nicht auf einen Schlag, sondern monatlich ausgezahlt. Damit soll die Wahrscheinlichkeit erhöht werden, dass Sie das Geld wirklich für das Studium und nicht für eine größere Anschaffung verwenden.
Die Höchstsumme ist von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich und kann von etwa 250 bis 1.000 Euro im Monat betragen, auch die Zinssätze sind nicht einheitlich. Die meisten Kreditinstitute verzichten bei der Vergabe von Studiendarlehen auf eine Überprüfung der Kreditwürdigkeit, bei Privatinsolvenz wird der Kredit jedoch verweigert. Wichtig zu wissen: In der Regel bekommen nur Studierende im Erststudium, die sich noch in der Regelstudienzeit befinden, ein Darlehen. Außerdem vergeben die Kreditinstiute die Studienkredite nach Studienfortschritt. Dazu ist sowohl der Immatrikulationsnachweis (semesterweise) als auch ein individueller Studienplan oder die Vorlage eines Leistungsnachweises erforderlich. Bei den meisten Kreditinstituten darf zudem eine gewisse Altersgrenze bei der Kreditaufnahme (häufig Mitte 30) nicht überschritten werden. |
|
|
|
 |
|
 |
 |
Natürlich hat die Vorstellung, relativ schnell und unbürokratisch an Geld zu gelangen, etwas verlockendes. Dennoch sollten Sie sich die Entscheidung für oder gegen einen Studienkredit gut überlegen. Hier ein paar Argumente zur Entscheidungsfindung:
Pro Studienkredit:
- Sie müssen nicht aus finanziellen Gründen auf ein Studium verzichten beziehungsweise es aus Geldnot abbrechen.
- Die Zinssätze von Studiendarlehen sind in der Regel wesentlich günstiger als die von anderen Krediten. Wenn Sie darauf angewiesen sind, sich von einer Bank Geld zu leihen, fahren Sie daher mit einem Studienkredit meistens besser.
- Sie können sich in Prüfungsphasen ganz aufs Lernen konzentrieren und müssen nicht noch nebenher jobben gehen.
- Wie lange Sie den Kredit in Anspruch nehmen möchten, können Sie selbst entscheiden. Wenn Sie also beispielsweise Ihren Nebenjob verlieren oder nur noch ein paar Monate bis zum Abschluss überbrücken müssen, kommen Sie mit einem Studienkredit ganz gut ohne eine hohe Verschuldung über die Runden.
Contra Studienkredit:
- Im Gegensatz zum BAföG (hier schenkt Ihnen der Staat die Hälfte des Geldes) müssen Sie den Studienkredit in voller Höhe zurückzahlen – inklusive Zinsen. Daher sind Sie beim Studienabschluss erst mal verschuldet. Je nachdem, wie lange und in welcher Höhe Sie das Darlehen in Anspruch genommen haben, können sich leicht Schulden von mehreren zehntausend Euro anhäufen, die Sie über mehrere Jahrzehnte zurückzahlen müssen.
- Studienkredite sind deshalb so günstig, weil die Kreditinstitute davon ausgehen, dass Sie nach dem Studium bald einen gut bezahlten Job haben und den Kredit ohne große Probleme zurückzahlen können. In der Realität müssen sich jedoch auch Akademiker häufig erst noch mit Praktika oder schlecht dotierten Zeitverträgen herumschlagen. Das interessiert die Kreditinstitute aber nicht, sie wollen pünktlich ihr Geld sehen.
- Bei vielen Banken und Sparkassen beginnt die Rückzahlung ein bis zwei Jahre nach der letzten Rate – unabhängig vom Einkommen.
- Einige Kreditinstitute bieten Darlehen mit variablem Zinssatz an. Heißt: Auch wenn der Zinssatz bei Vertragsabschluss noch sehr günstig war, kann er im Laufe der Zeit deutlich angehoben werden, was die monatliche Belastung merklich erhöht.
- Laut der 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes nehmen bisher nur 0,8 Prozent aller Studierenden im Erststudium einen Studienkredit in Anspruch. Die Erfahrungswerte sind deshalb noch äußerst dürftig.
- Leider tummeln sich auch unter den Kreditinstituten einige schwarze Schafe, die im Kleingedruckten ein paar Stolperfallen eingebaut haben.
|
|
|
|
 |
|
 |
 |
Sie sehen, es ist gar nicht so einfach, sich für oder gegen einen Kredit zu entscheiden. Falls Sie ernsthaft mit dem Gedanken spielen, sollten Sie sich auf jeden Fall gründlich von jemandem beraten lassen, der sich in der Sache auskennt, und sich nicht überstürzt an einen Vertrag ketten. Die örtlichen Studentenwerke sind dabei eine gute Anlaufstelle. Gemeinsam mit den dortigen Experten sollten Sie ein paar wichtige Punkte abklären und die Angebote der Kreditinstitute genau unter die Lupe nehmen:
- Haben Sie alle anderen Optionen an Geld zu gelangen bereits ausgeschöpft ?
- Welchen Betrag möchten Sie sich pro Monat von dem Kreditinstitut leihen? Das hängt davon ab, ob Sie Ihren gesamten Lebensunterhalt auf diese Weise finanzieren möchten oder nur ein kleines Zubrot zusätzlich zum Nebenjob benötigen.
- Über welchen Zeitraum möchten Sie den Kredit in Anspruch nehmen? Wenn Sie nur ein paar Monate bis zum Examen überbrücken müssen, fällt die Verschuldung natürlich wesentlich geringer aus, als wenn Sie Ihr ganzes Studium auf diese Art und Weise finanzieren möchten.
- Ist der Zinssatz des Anbieters fest oder variabel? Variable Zinssätze sind meistens etwas günstiger als feste, es droht jedoch die Gefahr, dass sie im Laufe der Zeit stark angehoben werden. Dagegen können Sie dann nichts mehr machen. Bei festem Zins können Sie sich ganz genau ausrechnen, auf welche Summe sich Ihre Schulden im Laufe der Zeit anhäufen werden.
- Gibt es Fallstricke im Kleingedruckten? Klären Sie ab, ob Sie den Vertrag zur Ansicht mit nach Hause nehmen dürfen, bevor Sie etwas unterschreiben.
- Wann müssen Sie die erste Rate zurückzahlen? Direkt nach dem Examen, mit Beginn der Berufstätigkeit oder auf den Punkt drei Jahre nach der ersten Auszahlung?
- Wie lange haben Sie Zeit, Ihre Schulden bei dem Kreditinstitut vollständig zu begleichen?
- Berücksichtigen Sie, dass Sie eventuell nicht gleich nach dem Examen eine hoch dotierte Festanstellung haben – und trotzdem jeden Monat Schulden in Höhe von mehreren hundert Euro zurückzahlen müssen.
|
|
|
|
 |
|
 |
 |
| Überlegen Sie sich genau, ob Sie wirklich auf einen Studienkredit angewiesen sind. Finanzspritzen gibt es auch anderswo:
|
|
|
|
 |
|
 |
 |
- Die staatliche Förderbank KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) ist der Hauptkreditgeber für Studierende. Auf der Homepage können Sie sich verschiedene Rechen-beispiele anschauen und sich selbst ein eigenes Fallbeispiel unverbindlich ausrechnen lassen. So erhalten Sie eine ganz konkrete Vorstellung davon, welche monatlichen Tilgungsraten Sie über welchen Zeitraum hinweg zu leisten hätten, wenn Sie einen bestimmten Betrag aufnehmen wollen.
Infos: http://www.kfw-foerderbank.de/DE_Home/Bildung/index.jsp
- Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Studentenwerke beraten in allen Fragen der Studienfinanzierung.
Infos: http://www.studentenwerke.de/
|
|
|