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Alles neben dem Studium

   
K A R R I E R E

„Nicht Wissen zählt, sondern Können“
Karriereplanung für Geisteswissenschaftler

Früher galten sie als die teuersten Kaffeemaschinen, als die frustriertesten Kellner und als die intellektuellsten Taxifahrer der Welt. Doch die Zeiten haben sich geändert: Geisteswissenschaftler sind wieder gefragt in der Wirtschaft.

   Inhalt
- Neue Unternehmenskulturen – neue Chancen

Neue Unternehmenskulturen – neue Chancen

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In dem Maße, in dem sich Unternehmensstrukturen verändern, Hierarchien öffnen und Berufsfelder vernetzen, steigen für „Generalisten“ und „Durchblicker“ die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Hierbei kommt es weniger darauf an, was man studiert hat, sondern, dass man studiert und somit bewiesen hat, sich komplexes Wissen aneignen zu können. Diese Fähigkeit ist in schnelllebigen Branchen, in denen nichts schneller veraltet als Wissen, eine Schlüsselkompetenz. Andererseits setzt sich in immer mehr Unternehmen die Einsicht durch, dass bessere Lösungen herauskommen, wenn man unterschiedliche Herangehensweisen kombiniert. Gerade internationale Firmen setzten zunehmend auf „management diversity“: Mit der Suche nach fachlichen „Quereinsteigern“ verbindet sich die Hoffnung, auf „Querdenker“ zu stoßen, die in Unternehmen für frischen Wind sorgen könnten.

Die Bezeichnung dieser – Geistes- und Sozialwissenschaftler gerne attestierten – Qualitäten als „Soft Skills“ ist jedoch missverständlich. Es geht hier nicht um soziale Werte oder darum, ohne den Einsatz von Ellenbogen Karriere machen zu können. Unter dem Begriff „Soft Skills“ werden Kompetenzen wie eine hohe geistige Flexibilität, ein großer Verständnis- und Aktionsradius sowie die Fähigkeit, Informationen schnell aufzunehmen, zu filtern und zu verarbeiten, zusammengefasst. Entsprechend breit gestreut sind die Einsatzmöglichkeiten: Sie reichen von Referententätigkeiten über die Arbeit als Geschäftsführer, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Projektleiter bis hin zum Generalsekretär oder Medienlektor. Auch in Berufen mit kaufmännischen Schwerpunkten haben sie gute Chancen, etwa als Vertriebsassistenten, im Marketing, als Berater, Fundraiser oder Key Account Manager. Selbst die klassischen Domänen der Ingenieure, Juristen oder Wirtschaftswissenschaftler sind vor Geisteswissenschaftlern nicht mehr sicher. Insbesondere Branchen, in denen Kreativität gefragt ist, locken Geisteswissenschaftler an, seien es die Medien, die Werbebranche oder die Kulturszene.

Das Studium der Geisteswissenschaften lohnt sich!

Das Hauptproblem für die Jobsuche liegt demnach nicht im Bereich der im Studium erworbenen Fähigkeiten, sondern ergibt sich aus der inhaltlich bedingten Ferne des Studiums zur Berufswelt. Dennoch: Karriereexperten raten auch weiterhin zum „Interessenstudium“. Mangelndes Fachwissen kann jederzeit „on the job“ antrainiert werden. Daher führt die Forderung, geisteswissenschaftliche Studiengänge stärker auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes zuzuschneiden, in die falsche Richtung. Wie sich heute zeigt, scheint gerade das „studium generale“ dem Bedarf immer mehr zu entsprechen. Was nicht dagegen spricht, Absolventen den Sprung in die Berufswelt zu erleichtern: So wurden in den letzten Jahren zahlreiche sinnvolle Programme an Hochschulen aufgelegt, die Akademikern beim Einstieg ins Arbeitsleben Hilfestellung leisten. Dennoch gilt: Das Problem „Berufswahl“ muss jeder Geisteswissenschaftler für sich selbst lösen. Das Gute ist: Er kann es lösen! Schließlich ist auch er zum Problemlösen ausgebildet. Geisteswissenschaftler sollten die so empfundene „Not“ (den Mangel an vorgezeichneten Karrierewegen) als „Tugend“ (vielfältige Chancen) begreifen: Wer hat heute schon eine größere Auswahl beruflicher Betätigungsfelder als ein professioneller Quereinsteiger?

Während es für Wirtschaftswissenschaftler oder Juristen vorgefertigte Karriere-Blue-Prints und damit auch vorgeschriebene Identitätsprofile gibt, muss der Geisteswissenschaftler sein Gehirn für die Wissensaneignung und zudem auch dazu nutzen, herauszufinden, was seine eigenen Stärken und Vorlieben sind und wie diese gewinnbringend auf dem Arbeitsmarkt anzupreisen sind. Auf die Frage: „Wer bin ich, und was kann ich?“, kann es daher nur eine Antwort geben: „Probieren geht über Studieren.“ Die wenigsten Studierenden der Geisteswissenschaften sind sich nämlich darüber im Klaren, welche Fähigkeiten und Qualitäten sie während des Studiums erwerben bzw. erworben haben. Daher sind sie sich auch oft ihrer Chancen nicht bewusst.

Quereinstieg während des Studiums anbahnen!

Wer ein Fach studiert, das am Arbeitsmarkt nicht nachgefragt wird, sollte sich von vornherein darüber im Klaren sein: Am Ende des Studiums wird die Wirtschaft nicht anklopfen und mit Scheinen wedeln. Der Einstieg in diesen Arbeitsmarkt muss automatisch ein Quereinstieg sein. Dieser gelingt Geistes- und Sozialwissenschaftlern zumeist durch Ferien- oder Semesterjobs. Mit anderen Worten: Der Einstieg beginnt bereits während des Studiums.

Schlecht bezahlte Praktika in Unternehmen können sich später als Türöffner auszahlen. Auch der Umweg über eine Zeitarbeitsfirma kann sich lohnen: Gerade hier können Geisteswissenschaftler, so sie die viel beschriebene Flexibilität an den Tag legen, in viele Branchen „hineinschnuppern“ und wichtige Berufserfahrungen sammeln. Viele Unternehmen nutzen diese Arbeitsverhältnisse auf Zeit, um ihre potenziellen Mitarbeiter genau unter die Lupe zu nehmen, bevor dann über eine Festanstellung verhandelt wird. Mehr als 30 Prozent aller Zeitarbeitsverträge enden in einer Festanstellung.

Das frühzeitige Anhäufen von Berufserfahrung hilft Geisteswissenschaftlern, ihr altes „Imageproblem“ zu bekämpfen und Selbstbewusstsein in Bezug auf ihre Einsatzmöglichkeiten in der freien Wirtschaft zu tanken. Networking und Connections pflegen sind Trumpf.

   
 
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